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Beim Wort Assistenzhund denken viele zuerst an Blindenführhunde. Aber es ist so viel mehr und eben dieses Thema möchte ich euch gerne mit der lieben Lena und Assistenzhund Happy von @assistenzhund_happy näher bringen. Somit fangen wir erstmal von vorne an.

Was ist ein Assistenzhund?

Ein Assistenzhund ist ein Hund, der so ausgesucht und ausgebildet wird, dass er in der Lage ist, einen Menschen bei körperlichen oder geistigen Einschränkungen im Alltag zu unterstützen. Gerade im Bereich der Beeinträchtigung können dank des speziellen Trainings, die fehlende Sinnes- oder Körperfunktionen des Menschen im Alltag auszugleichen. Je nach Ausbildungsform dauert eine gute Ausbildung zwischen zwei bis drei Jahre. Dies kann teils durch eine Selbstausbildung begleitend mit Trainer oder in einer Trainingsstätte durch einen Trainer erfolgen.

Welche Arten von Assistenzhund gibt es?

  • Blindenführhunde helfen blinden oder stark sehbeeinträchtigen Menschen bei der Orientierung im Alltag. Sie führen und leiten ihren Menschen sicher an verschiedenen Orten und zeigen Hindernisse (z.B. Treppen, Straßen, etc.) an.
  • Signal-/Gehörlosenhunde unterstützen ihren gehörlosen oder schwer gehörbeeinträchtigten Menschen, in dem sie für den Menschen nicht wahrnehmbare akustische Signale mittels physischen Berührungen mitteilen und so Geräusche anzeigen.
  • Medizinische Signalhunde warnen ihren chronisch erkrankten Menschen vor gefährlichen Veränderungen im neurologischen, psychischen oder metabolischen Bereich (Warnung bei Anfallsleiden/ Panik- oder Angstzuständen/ Über- oder Unterzuckerung/ etc.).
  • Servicehunde unterstützen ihren Menschen im Bereich der Mobilität (z.B. Rollstuhlbegleithunde, etc.)
  • Kombinationshunde helfen meistens mehrfachbehinderten Menschen und kombinieren dazu Eigenschaften aus mehreren Assistenzbereichen. Sie werden nach ihrem Hauptaufgabengebiet benannt.

Quelle: https://www.assistenzhundeteams.com

Interview mit Lena und Assistenzhund Happy

Zu welcher Gruppe Assistenzhund gehört Happy?

Happy ist ein PTBS Assistenzhund. Er gibt mir im Alltag Sicherheit, erkennt und alarmiert Anspannung, Panik/Angst und unterbricht Flashbacks/Dissoziationen/Krampfanfälle. Das sind seine „Hauptaufgaben“, er hat natürlich noch einige weniger wichtige Aufgaben, wie bspw. die Leine aufheben, wenn sie mir durch koordinatorische Probleme heruntergefallen ist.

Wie war die Ausbildung von Happy?

Happy wurde in einer trainergestützten Selbstausbildung ausgebildet. Er wurde von mir trainiert, aber wir hatten in regelmäßigen Abständen Termine mit unserer Assistenzhundetrainerin. Mir war das sehr wichtig, denn so konnte Happy von klein auf meinen Alltag kennenlernen und auch bestimmte Situationen sehen.

Wurde dir Happy zugewiesen?

Happy habe ich mir selbst gekauft. „Zugewiesen“ werden einem nur Hunde, die nicht in Selbstausbildung trainiert werden. Diese werden bspw. schon in eine „Richtung“ (PTBS AH, Diabetes AH,…) antrainiert.

Ist es schwierig das alles zu bezahlen?

Ich konnte Happy Ausbildung größtenteils von Spenden finanzieren. Da der Assistenzhund in Deutschland (ausgenommen Blindenführhund) noch nicht im sog. Hilfsmittelkatalog aufgenommen wurde, bekommt man weder vom Staat noch von der Krankenkasse in irgendeiner Weise Unterstützung.

Wurde dir der Assistenzhund vom Arzt verschrieben?

Ja, ich habe ein Attest und damit eine dokumentierte medizinische Notwendigkeit für einen Assistenzhund. 

Hat Happy immer bei dir gewohnt?

Happy hat seit seiner 8. Lebenswoche bei mir gewohnt, Grund dafür sind zum einen die schnelle Akklimatisierung mit verschiedenen Situationen und zum anderen die Bindung, die man im Welpenalter sehr gut aufbauen kann.

Hast du noch Kontakt zur Ausbilderin?

Da wir erst nächste Woche freiwillig von unserem Verein geprüft werden, haben wir noch regelmäßigen Kontakt. Ich denke aber, dass wir auch darüber hinaus Kontakt halten werden bzw. viel Austausch stattfinden wird.

Haben Assistenzhunde einen Ausweis?

Momentan haben Assistenzhunde noch keinen Ausweis, man kann sie höchstens mit einem Attest und der Ausbildungsbescheinigung „ausweisen“. Was da in Zukunft kommt, ist unklar, da sich gerade viel in Sachen Assistenzhundegesetz ändert.

Wie wünscht du dir, mit einem AH an deiner Seite behandelt zu werden?

Ich sage immer ganz gerne: Wir sind nicht zum Fürchten und auch keine Attraktion. Der Assistenzhund ist wie ein Rollstuhl, genauso selbstverständlich im Alltag akzeptiert. Wir möchten einfach ganz normal durch den Alltag gehen, ohne dass unsere Hunde dauert angefasst und belabert werden. Das kann im schlimmsten Fall wirklich böse enden, denn dadurch sind sie dann unkonzentrierter!

Gab es schon mal eine Diskrimierung wegen deinem Assistenzhund?

Mehr als einmal ist mir das schon passiert. Mir wurde unter anderem der Zutritt zum Lebensmitteleinzelhandel verwehrt. Ich denke, es gibt leider kein Assistenzhundeteam, welches noch nichts mit Diskriminierung zu tun hatte.

Wie gehts du mit solchen Situationen um?

Je nachdem wie stark die Diskriminierung ist, reagiere ich mit einem Krampfanfall. Mindestens löst es aber eine Panikattacke aus!

Wenn man so etwas mitbekommt, würdest du dir da mehr Hilfe von anderen Mitmenschen wünschen?

Ja! Solidarität und Unterstützung wäre in Fällen von Diskriminierung wirklich schön! Im Lidl sind alle vorbeigelaufen – das war ein schlimmes Gefühl!

Vielen lieben Dank Lena für das Interview.

Ich möchte abschließend euch um etwas bitten! Wenn ihr solche Situationen beobachtet, SCHAUT NICHT WEG! Wir alle können hier gemeinsam etwas unternehmen und ändern. Wenn ihr gerne mehr von Lena und Happy lesen wollt, folgt doch beiden bei Instagram.

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